Was ich mit Leidenschaft verfolge
Welche Dinge verfolgst du mit Leidenschaft?
Wenn ich ehrlich bin, gibt es vor allem eine Sache: unser Projekt. Der Blog hier und alles, was daran hängt — bis hin zu energy-soul-wellness, an dem wir parallel bauen. Es ist nicht nur Arbeit. Es ist das, wofür ich morgens aufstehe, im wörtlichen Sinn.
Denn so sieht meine Leidenschaft im Alltag aus: Ich stehe gern früh auf, setze mich mit einem Kaffee vor den Rechner und fange an zu denken und zu schreiben — im Grunde die einfache Sache, die mir am meisten Freude macht. Und dann passiert etwas, das ich gut kenne. Ich vergesse die Zeit. Plötzlich ist es Mittag. Obwohl ich mir feste Pausenblöcke in den Tagesplan geschrieben habe, war ich so im Hyperfokus, dass ich sie schlicht übergangen habe. Abends, wenn ich an der Website, an NeuroSoul oder an den Buchprojekten weiterarbeite, ist es dasselbe. Ich muss mich manchmal regelrecht zwingen, ab acht Uhr abends, keinen Bildschirm mehr anzusehen, damit mein Körper überhaupt herunterfahren kann.
Hier wird es stoisch interessant. Denn die Stoiker waren bei dem Wort Leidenschaft vorsichtig. Sie meinten damit ursprünglich ein pathos — einen Affekt, der nicht dir dient, sondern dich beherrscht. Etwas, das mit dir macht, statt dass du mit ihm machst. Und genau das ist die ehrliche Frage hinter diesem Prompt. Nicht: Habe ich Leidenschaft? Sondern: Wer steuert hier eigentlich wen?
In den Momenten, in denen ich die Pause übergehe und bis Mittag nicht vom Desktop aufstehe, steuert nicht mehr ich. Da steuert die Sache mich. Die Leidenschaft ist dann kein Antrieb mehr, sondern ein Sog. Und ein Sog fühlt sich produktiv an, kostet aber auf Dauer genau die Kraft, die das Projekt eigentlich braucht.
Seneca beschreibt sinngemäß, dass der Geist Erholung braucht wie ein Feld die Brache. Wer ihn dauerhaft anspannt, macht ihn nicht stärker, sondern stumpf. Übertragen heißt das für mich: Meine Pausenblöcke und die Acht-Uhr-Regel sind nicht der Feind meiner Leidenschaft. Sie sind das, was sie am Leben hält — eine Frage des rechten Maßes. Sie sind der Punkt, an dem ich die Lenkung zurücknehme — das, was die Stoiker prohairesis nennen, die Fähigkeit, selbst zu wählen, statt nur getrieben zu werden.
Mir ist wichtig, dass ich diese Unterscheidung nicht verliere. Denn das Ziel hinter allem ist groß. Wir wollen das, was wir uns erarbeitet haben, weitergeben — unser Wissen und unsere Erfahrung mit Persönlichkeitsentwicklung, damit wir für andere ein Anker sein können. Und wir wollen aus dem Hamsterrad ausbrechen, nicht länger abhängig sein, damit wir unsere Bestimmung leben und gemeinsam heilen können. So ein Ziel verträgt keinen ausgebrannten Menschen. Es braucht einen, der lange durchhält.
Vielleicht ist das der eigentliche Kern: Eine Leidenschaft, die mich auffrisst, bringt mich von meinem Ziel weg, nicht hin. Eine, die ich lenke, trägt mich Jahr für Jahr.
Und du: Verfolgst du etwas mit Leidenschaft, das dich trägt — oder ertappst du dich dabei, dass es eher dich verfolgt als du es?
— Elias
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