Die einfache Sache, die mir Freude macht
Beschreibe eine einfache Sache, die du tust und die dir Freude bereitet.
Ich muss nicht lange überlegen. Es ist der Morgen. Genauer: dieser ruhige erste Teil des Tages, in dem ich den Beitrag und den Tagesprompt vorbereite und ausarbeite. Eine kleine, wiederkehrende Sache, nichts Spektakuläres. Und doch freue ich mich jedes Mal darauf.
Ich freue mich auf den Moment, in dem aus ein paar Gedanken etwas wird, das ich mit euch teilen kann. Ich freue mich auf eure Resonanz, auf das positive Echo, das oft zurückkommt. Und ehrlich gesagt bin ich dankbar — für eure Treue, dafür, dass ihr überhaupt da seid und lest. Es sind genau diese kleinen Dinge, die mir Kraft geben, dranzubleiben und uns hier weiterzuentwickeln. Damit am Ende möglichst viele etwas Gutes mitnehmen.
Wenn ich genauer hinsehe, merke ich: Die Freude beginnt nicht erst beim Feedback. Sie ist schon da, wenn ich morgens am Text sitze und ganz bei dieser einen Sache bin. Und das ist stoisch betrachtet kein Zufall.
Seneca trennt sinngemäß zwei Dinge, die wir im Deutschen oft in einen Topf werfen. Da ist das flüchtige Vergnügen — es kommt von außen, hängt an Zahlen, an Applaus, an Dingen, die ich nicht in der Hand habe. Und da ist die echte Freude, das gaudium. Sie kommt von innen, aus dem Tun selbst, und sie bleibt. Das Vergnügen schwankt mit jedem Tag, die Freude trägt.
Das Schöne daran: Das Vorbereiten am Morgen liegt ganz bei mir. Ob ich mich hinsetze, ob ich ehrlich schreibe, ob ich mir Mühe gebe — das gehört mir. Ob ein Beitrag dann viel Resonanz bekommt, gehört mir nicht. Würde ich meine Freude allein daran festmachen, wäre ich jeden Tag von außen abhängig. So aber habe ich die Freude schon, bevor der erste Kommentar da ist. Euer positives Echo ist dann ein Geschenk obendrauf — und genau deshalb berührt es mich auch so, statt mich nur zu erleichtern.
Marc Aurel erinnert sinngemäß daran, dass ein Mensch, der das Seine tut, darin schon seinen Lohn findet, nicht erst in dem, was danach kommt. Das passt genau. Ich schreibe nicht, um Applaus zu ernten. Ich schreibe, weil mir das Schreiben selbst guttut. Dass ihr da seid und manchmal zurückschreibt, macht es noch reicher, aber es ist nicht der Grund.
Vielleicht ist das der eigentliche Kern dieses Prompts. Die Frage nach der einfachen Sache ist in Wahrheit die Frage, ob meine Freude auf etwas steht, das mir niemand nehmen kann. Das Teure, das Seltene, das Laute — das kann verschwinden. Der ruhige Morgen mit dem Text bleibt.
Und du: Was ist deine einfache Sache, die dir Freude macht — und steht sie auf etwas, das ganz bei dir liegt, oder hängt sie am Echo von außen?
— Elias
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