Wenn du irgendwo auf der Welt leben könntest, wo wäre das?
Bei so einer Frage erwartet man vermutlich einen exotischen Fluchtpunkt. Eine Insel, eine Metropole, irgendetwas, das nach Postkarte klingt. Unsere Antwort ist unspektakulärer und dafür ziemlich einig: der Norden Portugals. Für uns trägt das sogar einen eigenen Namen — Tír na nÓg, unser Land der Sehnsucht.
Es ist nicht der Wunsch nach mehr, sondern nach weniger. Nach Landschaft, in der der Blick schweifen kann und nicht nach zwanzig Metern gegen die nächste Wand läuft. Wo nicht alles zugebaut und verplant ist, sondern noch spürbar nah an der Natur. Wo der nächste Nachbar nicht direkt an unserer Hauswand anschließt, sondern ein Stück Luft dazwischen liegt.
Und es geht um ein Tempo. Um einen Vibe der Menschen, der offener wirkt — weniger von dieser Enge, die schnell urteilt und alles vorher schon zu wissen glaubt. Diese Weite ist für uns nicht nur eine Frage der Quadratmeter. Sie ist auch eine Frage der Haltung.
Genau hier wird es stoisch interessant — und ehrlich gesagt auch ein bisschen unbequem für uns. Denn so klar der Ort ist, so wenig dürfen wir uns über eines täuschen. Seneca schreibt sinngemäß an einen Freund, der sich vom Reisen Heilung erhoffte: Du wechselst den Himmel, nicht die Seele, wenn du übers Meer fährst. Wer unruhig aufbricht, kommt unruhig an.
Das ist kein Argument gegen Portugal. Wir wollen dorthin, mit voller Absicht. Es ist eher ein Geländer gegen einen leisen Denkfehler: die Vorstellung, ein Ort erledige die innere Arbeit für uns. Die Weite, die wir in der Landschaft suchen, muss auch die Weite sein, die wir mitbringen. Sonst nehmen wir die Enge, vor der wir fliehen, einfach im Gepäck mit.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum uns Nordportugal so anzieht und nicht irgendein beliebiges „schöner-woanders“. Es ist kein Weglaufen. Es ist der Versuch, einen äußeren Rahmen zu finden, der zu einer inneren Haltung passt, an der wir ohnehin arbeiten: langsamer, offener, weniger vorschnell im Urteil. Der Ort soll das nicht ersetzen. Er soll es leichter machen, es zu üben.
Und weil die meisten von uns diese Sehnsucht nach einem „dort wäre es besser“ kennen, würden wir dich gern fragen: Wenn du an deinen Sehnsuchtsort denkst — ist es wirklich der Ort, der dir fehlt, oder etwas, das du dort leichter leben könntest als hier?
— Mara & Elias
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