Täglicher Schreibanreiz
Glaubst du an Minimalismus?

Glaubst du an Minimalismus? Unser Weg mit der Stoa

Ja. Wir glauben an Minimalismus — aber nicht an den von den Hochglanzbildern, mit den leeren weißen Räumen, in denen ein einzelner Stuhl steht und sonst nichts. Das ist eine Ästhetik. Uns geht es um etwas anderes: Besitz kann besessen machen. Irgendwann besitzt du die Dinge nicht mehr, sondern die Dinge besitzen dich.

Für uns ist Minimalismus deshalb kein Schnitt, sondern ein Weg, den wir langsam gehen. Es heißt nicht, von heute auf morgen alles wegzuwerfen. Es heißt, bewusst hinzusehen: Was haben wir? Was brauchen wir wirklich? Und was darf gehen — und vielleicht jemand anderen glücklich machen?

Gerade starten wir in eine neue Phase. Wir verkleinern uns. Von Haus, Grundstück und vielen materiellen Gütern.

Irgendwann kam die Frage, die wir uns lange nicht gestellt hatten: Warum haben wir eigentlich so viel? Warum kaufen wir so viel? Und vor allem — welches Gefühl will da eigentlich gesehen werden?

Bei Elias war der alte Blickwinkel: „Für was gehe ich arbeiten, wenn ich mir dann nicht alles kaufen kann?“ Bei Mara war es eine leise Unzufriedenheit, die der Job auslöst — ich tue mir etwas Gutes, einen kleinen Kauf, damit ich das Ganze weiter ertragen kann. Zwei verschiedene Wege, dasselbe Muster: Konsum als Trost für etwas, das eigentlich woanders fehlt.

Genau hier hat uns die Stoa eine Brille gegeben. Die Stoiker nennen äußere Dinge wie Besitz, Geld oder Status Adiaphora. Nicht gleichgültig im Sinne von egal, sondern: weder gut noch schlecht an sich. Ein voller Kleiderschrank macht dich nicht zu einem besseren Menschen, ein leerer nicht zu einem schlechteren.

Die Frage ist nicht einfach „wenig oder viel?“, sondern: Dient das unserem Leben — oder soll es gerade etwas beruhigen, das eigentlich woanders liegt?

Das ist auch der Kern der stoischen Sophrosyne, der Mäßigung: nicht Verzicht aus Strenge, sondern das richtige Maß finden.

Seneca bringt es in seinem zweiten Brief sinngemäß auf den Punkt: Arm ist nicht, wer wenig hat, sondern wer immer mehr will.

Wir haben gemerkt, wie wahr das ist. Mittlerweile erfüllen wir uns tatsächlich etwas Gutes damit — nur eben anders.

  • Nicht das elfte Teil, wenn schon zehn im Schrank hängen.
  • Nicht das neue Handy, wenn das alte noch völlig in Ordnung ist.
  • Nicht das nächste Auto, nur weil es sich für einen Moment nach mehr Freiheit anfühlt.

Sondern die kleine Sparrate jeden Monat — und die Freiheit, die wirklich dahinter steckt.

Unser Ziel klingt für viele verrückt: Wir wollen uns für eine nicht festgelegte Zeit so weit verkleinern, dass wir auf 7,5 Quadratmetern in einem Camper alles haben, was wir brauchen. Nicht aus Mangel. Sondern weil weniger Ballast für uns ein Weg ist, dem guten Leben — der Eudaimonia — näherzukommen. Jedes Ding, das geht, ist ein Stück weniger, das uns festhält.

Vielleicht ist das am Ende der eigentliche Punkt hinter der Frage: Es geht gar nicht um Dinge. Es geht darum, was wir uns von den Dingen erhofft haben — und ob wir das nicht woanders viel günstiger finden.

Und du — welches Gefühl möchte vielleicht gesehen werden, wenn du das nächste Mal etwas kaufen willst, das du eigentlich nicht brauchst?

Kategorie: ,

Weiter im Stoizismus

→ Was ist Stoizismus? – Überblick und Einstieg

→ 66 Stoische Mythen – die häufigsten Missverständnisse

→ 66 Stoische Fragen – Reflexionsfragen für den Alltag

→ 30 Stoische Praktiken – konkrete Übungen für den Alltag


→ Mehr über Mara & Elias


Bleib in Kontakt

Blog abonnieren · YouTube

Energy Soul Wellness · Unsere Bücher


Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Lichtstimme – Stoische Reflexion für den Alltag

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen