Glaubst du, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert?
Ehrlich? Ja. Ich glaube das.
Und ich glaube es nicht erst seit gestern. Das war eigentlich schon immer so bei mir, nur habe ich es früher eher gefühlt als gedacht. Heute bin ich mir dessen richtig bewusst.
Auch in schweren Zeiten. Vielleicht sogar besonders da. Es gibt Momente, in denen ich zu mir selbst sage — manchmal auch zu Elias: Vielleicht verstehen wir irgendwann, wenn wir Glück haben, aus welchem Grund das alles so kam, wie es kam.
Das „wenn wir Glück haben“ ist mir wichtig. Ich sage nicht: Es hat einen Grund, also ist es nicht schlimm. Ich sage auch nicht, dass ich den Grund kenne. Nur, dass ich glaube, dass es einen gibt. Ob ich ihn je zu sehen bekomme, ist eine ganz andere Frage.
Das ist übrigens eine ziemlich stoische Position, auch wenn ich sie mir nicht bei den Stoikern abgeholt habe. Die Stoa geht davon aus, dass die Welt von einer Vernunft durchzogen ist — sie nennt das Logos. Nichts geschieht beziehungslos. Alles hängt in einem Gefüge von Ursachen, das deutlich größer ist als der Ausschnitt, den ein Einzelner davon sehen kann.
Wichtig dabei: Das ist keine Zusage, dass alles angenehm wird. Die Stoiker waren keine Optimisten. Es ist eine Aussage über Zusammenhang, nicht über Freundlichkeit. Wie die Stoa Schicksal und Freiheit zusammendenkt, ohne dass eines das andere auffrisst, haben wir an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben.
Marc Aurel hat dafür ein Bild, das ich mag. Frei übertragen sagt er: Was dir geschieht, war von Anfang an mit dir zusammen gewebt. Dein Faden und das Muster gehören zusammen.
Genau da sitzt für mich der ehrliche Teil. Wenn ich mitten in etwas stecke, sehe ich den Faden. Nicht das Muster. Manchmal sieht man es Jahre später. Manchmal nie.
Ich glaube, das ist auch das, was diese Frage eigentlich meint. Nicht: Kannst du beweisen, dass alles einen Sinn hat? Sondern: Was macht es mit dir, wenn du davon ausgehst?
Bei mir macht es das hier: Es nimmt mir nicht den Schmerz. Aber es nimmt mir das Gefühl, dass alles nur zufällig auf mich einprasselt — und dass ich mittendrin völlig zusammenhanglos herumstehe. Das ist ein Unterschied, den ich nicht mehr missen möchte.
Und du: Glaubst du, dass alles einen Grund hat — und hat sich deine Antwort darauf über die Jahre verändert?
— Mara

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