Epiktet & Marcus Aurelius über das Sehen, was da ist
Leitfrage:
„Welche drei Dinge waren heute einfach da?“
📌 Kurzkontext
Dankbarkeit ist keine Emotion, die du fühlst – sie ist eine Wahrnehmung, die du übst. Diese Praxis ist kein positives Denken. Sie ist ein bewusstes Hinschauen: Was war heute da? Nicht groß. Nicht heroisch. Einfach da.
Epiktet lehrte: „Wer sieht, was er hat, ist reicher als der, der mehr will.“ Diese drei Dinge am Abend zu benennen, ist kein Glückstagebuch. Es ist eine Übung in Wahrnehmung.
💬 Zitat
„Beginne mit Dankbarkeit für das, was ist – nicht für das, was du dir wünschst.“
sinngemäß nach Epiktet, Handbüchlein der Moral
⏱️ Wie geht’s?
Dauer: 2 Minuten
1. Drei Dinge benennen (90 Sekunden)
Frage dich vor dem Schlafengehen:
„Welche drei Dinge waren heute einfach da?“
Nicht:
- „Wofür bin ich dankbar?“ (zu emotional)
- „Was lief gut?“ (zu bewertend)
Sondern:
- „Was war einfach da?“
Beispiele:
- Ein Dach über dem Kopf
- Warmes Wasser
- Ein ruhiger Moment
- Ein Gespräch
- Essen auf dem Tisch
2. Kurz innehalten (30 Sekunden)
Sage dir still:
„Das war heute da. Das ist genug.“
Nicht als Mantra. Als Wahrnehmung.
🎯 Warum tut man das?
Weil dein Geist von Natur aus auf Mangel fokussiert. Was fehlt. Was schief lief. Was noch zu tun ist. Diese Übung unterbricht das nicht mit Zwangsoptimismus – sondern mit Realität: Was war tatsächlich da? Dankbarkeit ist keine Verleugnung. Sie ist eine Erweiterung der Wahrnehmung. Du siehst nicht nur, was fehlt – sondern auch, was da ist. Das ist keine Selbstberuhigung. Das ist Selbstkenntnis.
💡 Beispiel
Situation 1:
Du hattest einen schweren Tag. Alles lief schief.
Statt nur das Schwere zu sehen:
- „Was war heute da?“
- Ein Bett zum Schlafen.
- Jemand, der zugehört hat.
- Ein Moment, in dem ich durchgeatmet habe.
Du fühlst dich nicht sofort besser – aber du siehst vollständiger.
Situation 2:
Du bist erschöpft und denkst: „Heute war nichts.“
Statt in der Leere zu bleiben:
- „Was war heute da?“
- Ich bin aufgestanden.
- Ich habe gegessen.
- Ich bin hier.
Das ist keine Kleinigkeit. Das war da.
✅ Deine Aufgabe heute
Benenne heute Abend drei Dinge.
Vor dem Schlafengehen.
Was war einfach da?
2 Minuten.
Du musst nichts aufschreiben.
Du musst dich nicht besser fühlen.
Nur sehen.
🏛️ Stoische Weisheit
Epiktet unterschied zwischen dem, was wir haben, und dem, was wir wahrnehmen. Er lehrte: „Die meisten Menschen sehen nur, was ihnen fehlt – und übersehen, was sie bereits haben.“
Marcus Aurelius ergänzte: „Wenn du morgens aufwachst, denke daran: Ich lebe noch. Ich kann atmen. Ich kann handeln.“
Dankbarkeit ist keine Gefühlsarbeit. Sie ist Wahrnehmungsarbeit. Du trainierst deinen Geist, nicht nur Mangel zu sehen – sondern auch Fülle. Nicht als Ablenkung vom Schweren, sondern als Ergänzung. Beides ist wahr: Es war schwer. Und es war auch etwas da. Wer nur das eine sieht, lebt blind.
💚 Morgen
Morgen übst du Einen Moment loslassen – eine kurze Übung, bei der du bewusst etwas aus dem Tag gehen lässt, bevor du schlafen gehst. Nicht verdrängen. Loslassen.
© Mara & Elias – Die stoischen Praktiken
💬 Welche drei Dinge waren heute für dich einfach da?
Wenn du magst, halte sie für dich fest – oder teile sie in den Kommentaren.
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