PRAXIS 15: DIE 3 ABENDFRAGEN

Seneca & Marcus Aurelius über tägliche Rechenschaft


Leitfrage:

„Wie war ich heute – und wie will ich morgen sein?“


📌 Kurzkontext

Die drei Abendfragen sind keine Selbstoptimierung. Sie sind eine stille Rechenschaft vor dir selbst.

Seneca und Marcus Aurelius fragten sich jeden Abend: Was lief gut? Was lief schlecht? Was lerne ich daraus?

Diese Praxis ist kein Tagebuch. Sie ist ein kurzer, ehrlicher Moment, bevor der Tag endet. Du schaust zurück – nicht um dich zu bewerten, sondern um zu sehen.


💬 Zitat

„Wenn das Licht gelöscht ist und alles still geworden ist, prüfe ich den ganzen Tag und wiege meine Taten und Worte ab. Ich verberge nichts vor mir, ich gehe an nichts vorbei.“

Seneca, Von der Seelenruhe III, 36

⏱️ Wie geht’s?

Dauer: 3 Minuten

Die drei Fragen:

1. Was habe ich heute gut gemacht? (1 Minute)
Nicht groß. Nicht heroisch.
Eine kleine Handlung, die integer war.
Beispiel: „Ich habe zugehört, statt zu unterbrechen.“

2. Was habe ich heute nicht stimmig gemacht? (1 Minute)
Ehrlich. Ohne Ausrede.
Eine Handlung, die nicht stimmig war.
Beispiel: „Ich war ungeduldig mit meinem Partner.“

3. Was nehme ich mit für morgen? (1 Minute)
Nicht als Vorsatz. Als Erinnerung.
Beispiel: „Morgen atme ich einmal tief durch, bevor ich antworte.“


🎯 Warum tut man das?

Weil der Tag nicht einfach vorbei ist, wenn du schlafen gehst. Er bleibt in dir – als Gewohnheit, als Muster, als unbewusste Wiederholung. Die drei Abendfragen unterbrechen das. Du schaust hin. Nicht um dich schlecht zu fühlen, sondern um zu lernen.

Seneca nannte es „Die tägliche Rechenschaft“ – nicht als Strafe, sondern als Würde. Wer sich selbst nicht prüft, wiederholt blind. Wer hinschaut, kann sich verändern.


💡 Beispiel

Situation 1:
Du liegst im Bett und gehst den Tag durch.

  • Gut: „Ich habe meinem Kollegen geholfen, obwohl ich gestresst war.“
  • Nicht stimmig: „Ich habe mich über eine Kleinigkeit aufgeregt und es an anderen ausgelassen.“
  • Mitnehmen: „Morgen halte ich kurz inne, bevor ich reagiere.“

Situation 2:
Du fühlst dich erschöpft und denkst: „Heute war alles schlecht.“
Statt in der Bewertung zu bleiben:

  • Gut: „Ich bin aufgestanden. Ich habe gearbeitet. Ich bin hier.“
  • Nicht stimmig: „Ich war den ganzen Tag abwesend.“
  • Mitnehmen: „Morgen mache ich einmal den Präsenz-Check.“

✅ Deine Aufgabe heute

Stelle dir heute Abend die drei Fragen.

Vor dem Schlafengehen.
3 Minuten.
Ehrlich. Ohne Drama.

Du musst nichts aufschreiben.
Du musst nichts lösen.
Nur sehen.


🏛️ Stoische Weisheit

Seneca und Marcus Aurelius praktizierten diese Abendfragen täglich. Nicht als Pflicht, sondern als Ritual der Selbstkenntnis.

Seneca schrieb: „Ich stelle mich selbst vor Gericht – als Ankläger und als Richter.“ Aber nicht streng. Nicht hart. Sondern ehrlich.

Marcus Aurelius ergänzte: „Wer sich selbst nicht prüft, lebt blind.“

Die drei Abendfragen sind kein moralisches Inventar. Sie sind ein Moment der Klarheit.

Das ist keine Selbstoptimierung. Das ist Selbstführung.

Und Selbstführung beginnt mit dem Mut, hinzusehen – auch wenn es unbequem ist.


💚 Morgen

Morgen übst du Die stoische Bilanz – eine erweiterte Abendreflexion, bei der du nicht nur den Tag betrachtest, sondern auch deine Haltung in schwierigen Momenten prüfst.


© Mara & Elias – Die stoischen Praktiken


💬 Welche der drei Fragen fällt dir am schwersten?
Wenn du magst, teile es in den Kommentaren – manchmal hilft es, auszusprechen, was schwierig ist.

🌟 Die Stoischen Praktiken – 30 Tage, um Stoizismus wirklich zu leben

Nach den Stoischen 66 (66 Fragen) kommt jetzt die Praxis: 30 tägliche Übungen, um vom Wissen ins Tun zu kommen.

📝 Blog abonnieren
📹 YouTube folgen
💚 Energy Soul Wellness | Brain Reset Journal



Posted in ,

Hinterlasse einen Kommentar