PRAXIS 4: PREMEDITATIO MATUTINA

Seneca & Marcus Aurelius über die Vorbereitung auf den Tag


Leitfrage:

„Was könnte heute schiefgehen – und wie bleibe ich trotzdem in meiner Würde?“


📌 Kurzkontext

Die Premeditatio Malorum (Vorwegnahme des Übels) ist eine der machtvollsten stoischen Praktiken.

Du stellst dir nicht vor, dass alles gutgeht – sondern was schiefgehen könnte. Nicht aus Pessimismus, sondern aus Vorbereitung.

Seneca schrieb: „Ein unvorbereiteter Geist reagiert – ein vorbereiteter handelt.“

Wer sich morgens auf Widerstand vorbereitet, wird nicht von ihm überrascht.


💬 Zitat

„Beginne jeden Tag damit, dir zu sagen: Heute werde ich auf Menschen treffen, die geschwätzig, undankbar, arrogant, unehrlich, neidisch oder unsozial sind. All das kommt von ihrer Unwissenheit über Gut und Böse.“

Marcus Aurelius, Selbstbetrachtungen 2.1

⏱️ Wie geht’s?

Dauer: 3 Minuten

1. Frage stellen (30 Sekunden)
„Was könnte heute schwierig werden?“
Nenne 2-3 konkrete Situationen (Meeting, Konflikt, Verzögerung, Müdigkeit)

2. Vorbereiten (2 Minuten)
Für jede Situation:

  • „Wenn das passiert, dann werde ich _____.“
  • Nicht: „Ich hoffe, es passiert nicht.“
  • Sondern: „Wenn es kommt, handle ich so.“

3. Würde setzen (30 Sekunden)
Sage dir:
„Was auch kommt – ich kann würdevoll bleiben.“
Nicht als Garantie. Als Absicht.


🎯 Warum tut man das?

Weil Überraschung dich verwundbar macht. Wenn du nicht vorbereitet bist, reagierst du aus Impuls – nicht aus Klarheit.

Die Premeditatio ist keine Angstübung. Sie ist die Rüstung, bevor die Schlacht kommt. Wer weiß, was kommen könnte, wird nicht von seinen eigenen Reaktionen überrascht. Du trainierst nicht, dass nichts passiert. Du trainierst, dass du handlungsfähig bleibst, wenn es passiert.


💡 Beispiel

Situation 1:
Du hast heute ein schwieriges Gespräch mit deinem Chef.
Statt zu hoffen, dass es glimpflich ausgeht:

  • „Wenn er mich kritisiert, atme ich durch und höre zu.“
  • „Wenn er ungerecht wird, bleibe ich ruhig und spreche klar.“
  • „Wenn ich wütend werde, pausiere ich, bevor ich antworte.“

Situation 2:
Dein Tag ist vollgepackt, du fühlst dich schon jetzt erschöpft.
Statt in Panik zu verfallen:

  • „Wenn ich müde werde, mache ich 2 Minuten Pause.“
  • „Wenn etwas länger dauert, lasse ich etwas anderes weg.“
  • „Wenn ich nicht alles schaffe, ist das menschlich – nicht Versagen.“

✅ Deine Aufgabe heute

Nimm dir heute Morgen 3 Minuten.

Frage dich:
„Was könnte heute schiefgehen?“

Nenne 2-3 Situationen.
Und bereite dich vor:
„Wenn das passiert, dann _____.“

Nicht aus Angst. Aus Würde.


🏛️ Stoische Weisheit

Die Stoiker nannten diese Übung „Praemeditatio Malorum“ – die Vorwegnahme des Übels. Nicht, um sich schlecht zu fühlen, sondern um nicht überrascht zu werden.

Seneca schrieb: „Es ist nicht das Unglück selbst, das uns trifft – sondern die Unvorbereitetheit darauf.“

Marcus Aurelius begann jeden Tag mit der Erinnerung: „Heute werde ich auf schwierige Menschen treffen.“ Nicht pessimistisch. Realistisch.

Die Premeditatio ist keine negative Visualisierung. Sie ist strategische Vorbereitung. Ein Krieger geht nicht in die Schlacht, ohne seine Rüstung anzulegen.

Ein Stoiker geht nicht in den Tag, ohne seine innere Haltung zu setzen. Die Frage ist nicht: „Wird etwas schiefgehen?“

Die Frage ist: „Bin ich vorbereitet, wenn es passiert?“

Wer sich vorbereitet, wird nicht von seinen eigenen Reaktionen überrumpelt. Das ist Freiheit.


💚 Morgen

Morgen übst du das stoische Versprechen – eine Selbstverpflichtung am Morgen. Du setzt deine Absicht für den Tag. Nicht als Pflicht. Als Anker.


© Mara & Elias – Die stoischen Praktiken


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