Frage 61 – Worauf verzichte ich heute freiwillig – um zu üben?

🎯 Kurzkontext:

Wir leben im Überfluss. Essen auf Knopfdruck. Entertainment 24/7. Komfort ohne Ende. Und trotzdem: Wir sind nicht frei. Wir sind abhängig. Von Bequemlichkeit. Von Gewohnheiten. Von dem Gefühl, dass wir all das brauchen.

Musonius Rufus, der Lehrer Epiktets, wusste:

Wahre Freiheit zeigt sich nicht im Haben – sondern im Verzichten-Können.

Er empfahl, sich regelmäßig freiwillig Entbehrungen aufzuerlegen: einfaches Essen, schlichte Kleidung, kaltes Wasser, harte Betten. Nicht aus Selbstquälerei. Sondern als Training. Als Test. Als Frage: „Bin ich wirklich frei – oder bin ich Sklave meiner Begierden?“

Die stoische Frage ist: „Worauf verzichte ich heute freiwillig – um zu üben?“ Nicht dauerhaft. Nicht als Strafe. Sondern als Übung. Um zu wissen:

Ich kann es. Ich brauche das alles nicht. Ich bin frei.


💬 Zitat:

„Wir sollten uns von Zeit zu Zeit daran gewöhnen, uns mit billigstem Essen und einfachster Kleidung zu begnügen, um zu testen, ob wir wirklich frei sind oder Sklaven unserer Begierden.“ — Musonius Rufus

🕒 10-Min-Übung („Mein freiwilliger Verzicht“)

  1. Wähle einen Bereich aus (2 Min): Worauf könntest du heute/diese Woche freiwillig verzichten? (Z.B.: Komfort, Entertainment, Luxus-Essen, Handy, warmes Wasser – wähle EINE Sache)
  2. Definiere die Übung (3 Min): Wie sieht der Verzicht konkret aus? (Z.B.: „Heute nur Brot und Wasser“, „Diese Woche kalte Duschen“, „24 Stunden ohne Handy“ – mach es messbar)
  3. Frage dich VOR und NACH der Übung (5 Min):
    Vorher: „Habe ich Angst davor? Was befürchte ich?“
    Nachher: „War es so schlimm, wie ich dachte? Was habe ich gelernt?“

🧭 Mini-Beispiele:

Verzicht: Nur einfaches Essen (Brot, Wasser, Gemüse) für einen Tag →

Vorher:
„Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen Angst. Ich bin es gewohnt, gut zu essen. Was, wenn ich hungrig bin? Was, wenn ich Heißhunger bekomme?“

Nachher:
„Es war… okay. Ich hatte Hunger, ja. Aber ich bin nicht gestorben. Ich habe gemerkt: Wie viel meines ‚Hungers‘ ist eigentlich Langeweile? Wie viel ist Gewohnheit? Und wie viel ist echtes Bedürfnis? Ich kann mit wenig leben. Das ist befreiend.“

Erkenntnis:
„Ich bin freier, als ich dachte. Ich brauche nicht all das, was ich mir jeden Tag gönne. Das gibt mir Macht zurück.“

Musonius Rufus: Du testest deine Freiheit – und findest sie.


Verzicht: Kalte Dusche für eine Woche →

Vorher:
„Das wird hart. Ich liebe heiße Duschen. Das ist mein Morgen-Ritual. Mein Komfort. Was, wenn ich es nicht durchhalte?“

Nachher:
„Tag 1 war brutal. Tag 3 war okay. Tag 7 – ich habe es geschafft. Und ehrlich? Ich fühle mich stärker. Nicht körperlich. Sondern mental. Ich habe mir selbst bewiesen: Ich kann mich überwinden. Ich bin nicht Sklave meiner Bequemlichkeit.“

Erkenntnis:
„Komfort ist schön – aber er macht mich schwach, wenn ich ihn brauche. Jetzt weiß ich: Ich kann auch ohne.“

Seneca: Wer sich abhärtet, wird unerschütterlich.


Verzicht: 24 Stunden ohne Handy →

Vorher:
„Ich bin nervös. Was, wenn jemand etwas Wichtiges schreibt? Was, wenn ich etwas verpasse? Was mache ich mit der Langeweile?“

Nachher:
„Die ersten Stunden waren komisch. Ich habe ständig automatisch nach dem Handy gegriffen – und es war nicht da. Dann… Ruhe. Ich habe gelesen. Ich habe nachgedacht. Ich habe die Welt um mich herum wahrgenommen. Niemand ist gestorben, weil ich nicht sofort geantwortet habe. Ich habe nichts Wichtiges verpasst. Aber ich habe etwas gewonnen: Zeit. Klarheit. Frieden.“

Erkenntnis:
„Ich bin süchtig. Nicht körperlich – aber mental. Das Handy ist meine Flucht vor Langeweile, Unbehagen, Stille. Aber ich kann ohne. Und das macht mich frei.“

Epiktet: Was du nicht brauchst, beherrscht dich – bis du es loslässt.


💡 Stoische Reflexion:

Die Stoiker waren keine Asketen.

Sie lebten nicht in Höhlen.

Sie aßen nicht nur Brot.

Sie trugen nicht nur Lumpen.


Aber sie übten.

Regelmäßig.

Bewusst.

Freiwillig.


Warum?


Weil sie wussten:

Komfort macht abhängig.


Wenn du nicht ohne etwas leben kannst –

dann bist du nicht frei.

Dann bist du Sklave.


Sklave deiner Gewohnheiten.

Sklave deiner Begierden.

Sklave deines Komforts.


Musonius Rufus lehrte:

„Durch freiwillige Entbehrung härtet man sich ab.“


Nicht um zu leiden.

Nicht um sich zu quälen.

Sondern um zu wissen:

„Ich kann es.“


Das ist der Unterschied:

Zwang macht dich bitter.

Freiwilligkeit macht dich stark.


Wenn dir jemand dein Handy wegnimmt:

→ Du fühlst dich ohnmächtig, wütend, beraubt.


Wenn du selbst entscheidest, es wegzulegen:

→ Du fühlst dich mächtig, stolz, frei.


Das ist Askese:

Freiwilliger Verzicht als Übung der Freiheit.


Seneca schrieb an Lucilius:

„Lege dir von Zeit zu Zeit einige Tage fest, an denen du dich mit wenigem begnügst.“


Er beschreibt es konkret:

  • Einfachstes Essen (Brot, Wasser)
  • Einfachste Kleidung (alte Tunika)
  • Hartes Lager (keine weiche Matratze)

Und dann fragst du dich:

„Ist dies das, was ich fürchtete?“


Meistens nicht.


Die Angst vor Entbehrung ist größer als die Entbehrung selbst.


Wir stellen uns vor:

„Ohne X könnte ich nicht leben!“


Und dann verzichten wir darauf –

und merken:

„Doch. Kann ich.“


Das ist befreiend.

Das ist Macht.

Das ist Stoizismus.


Marcus Aurelius schrieb:

„Wie leicht ist es doch, jede störende oder unpassende Vorstellung abzuweisen und sogleich vollkommen ruhig zu sein.“


Er meinte:

Du musst nicht auf jeden Impuls reagieren.


Hunger? Du musst nicht sofort essen.

Langeweile? Du musst nicht sofort scrollen.

Unbehagen? Du musst nicht sofort flüchten.


Du kannst warten.

Du kannst aushalten.

Du kannst verzichten.


Und in diesem Verzicht:

Gewinnst du Freiheit.


Die Stoiker übten drei Arten von Askese:


1. Körperliche Askese

Einfaches Essen.

Kaltes Wasser.

Hartes Lager.

Körperliche Anstrengung.


Warum?

Weil der Körper ein Lehrer ist.


Wenn du lernst, körperliches Unbehagen zu ertragen –

lernst du, geistiges Unbehagen zu ertragen.


Musonius Rufus sagte:

„Die Seele wird stark durch Abhärtung des Körpers.“


Das heißt nicht:

„Zerstöre deinen Körper.“


Das heißt:

„Verwöhne ihn nicht so sehr, dass er dich beherrscht.“


2. Materielle Askese

Verzicht auf Luxus.

Verzicht auf Besitz.

Verzicht auf Bequemlichkeit.


Warum?

Weil Besitz dich besitzt.


Je mehr du hast –

desto mehr musst du schützen, pflegen, sorgen.


Seneca:

„Es ist nicht der Mensch arm, der zu wenig hat – sondern der, der nach mehr verlangt.“


Askese heißt nicht:

„Hab nichts.“


Askese heißt:

„Brauch nichts.“


Du darfst haben.

Aber du darfst nicht abhängig sein.


Der Test:

Kannst du es aufgeben, ohne zu leiden?


Wenn ja:

Frei.


Wenn nein:

Sklave.


3. Mentale Askese

Verzicht auf unnötige Gedanken.

Verzicht auf Sorgen.

Verzicht auf Ablenkung.


Warum?

Weil dein Geist der wertvollste Raum ist.


Marcus Aurelius:

„Du hast Macht über deinen Geist – nicht über äußere Ereignisse.“


Mentale Askese bedeutet:

Bewusst wählen, womit du deinen Geist füllst.


Nicht jede Nachricht lesen.

Nicht jedem Gedanken folgen.

Nicht jede Sorge pflegen.


Das ist schwerer als kalte Duschen.

Aber wichtiger.


Epiktet:

„Lass nicht jeden Eindruck sofort zu – prüfe ihn erst.“


Mentale Askese ist:

Die Fähigkeit, Nein zu sagen zu deinem eigenen Geist.


„Dieser Gedanke dient mir nicht.“

„Diese Sorge hilft mir nicht.“

„Diese Ablenkung brauche ich nicht.“


Und dann:

Loslassen.


Das ist die höchste Form der Askese.


Jetzt die wichtige Frage:


„Warum sollte ich das tun?“


„Warum sollte ich freiwillig verzichten?“


„Ist das nicht masochistisch?“


Nein.


Weil:


1. Es macht dich resilient.

Wenn du weißt, dass du mit wenig leben kannst –

dann kann dir Verlust weniger anhaben.


Seneca:

„Der Weise übt sich in Armut, damit er sie nicht fürchtet.“


Nicht weil er arm werden will.

Sondern weil er frei sein will.


Frei von der Angst vor Verlust.


2. Es zeigt dir die Wahrheit.

Du denkst, du brauchst X.

Du verzichtest darauf.

Und merkst: Nope.


Dann weißt du:

„Das war eine Lüge, die ich mir erzählt habe.“


Und diese Erkenntnis:

Macht dich frei.


3. Es gibt dir Kontrolle zurück.

Solange du nicht verzichten kannst –

kontrolliert ES dich.


Sobald du verzichten kannst –

kontrollierst DU es.


Das ist Macht.

Echte Macht.


Nicht:

„Ich habe alles.“


Sondern:

„Ich brauche nichts.“


Das ist Freiheit.


Marcus Aurelius war Kaiser.

Er hatte alles.

Und trotzdem übte er Askese.


Warum?


Weil er wusste:

„All das kann mir genommen werden.“


Und er wollte vorbereitet sein.

Nicht äußerlich.

Innerlich.


Premeditatio Malorum – die Vorbereitung auf das Schlimme.


Wenn du weißt, dass du ohne leben kannst –

dann hast du keine Angst vor Verlust.


Und ohne Angst:

Bist du frei.


Praktische Übungen für dich:


LEICHT:

  • Einen Tag lang nur einfaches Essen (Brot, Reis, Gemüse, Wasser)
  • Eine Woche lang kalte Duschen
  • 24 Stunden ohne Handy/Internet
  • Eine Nacht auf dem Boden schlafen
  • Einen Tag lang Stille (keine Musik, kein Podcast, kein TV)

MITTEL:

  • Eine Woche lang nur 2 Mahlzeiten am Tag
  • Einen Monat lang keine Süßigkeiten/Alkohol/Kaffee
  • Eine Woche lang nur 3 Kleidungsstücke tragen (rotierend)
  • Einen Tag lang nichts kaufen (nur Notwendiges)
  • Eine Woche lang bei jeder Entscheidung fragen: „Brauche ich das wirklich?“

SCHWER:

  • Einen Monat lang minimalistisch leben (nur das Nötigste)
  • Eine Woche Schweigen (außer wenn nötig)
  • Einen Monat ohne Social Media
  • Eine Woche nur mit dem, was in einen Rucksack passt

Wichtig:

Das ist kein Wettbewerb.

Das ist kein Extremsport.


Das ist Training.


Du musst nicht alles machen.

Du musst nicht perfekt sein.


Aber du solltest üben.


Regelmäßig.

Bewusst.

Freiwillig.


Seneca:

„Nicht für die Schule üben wir, sondern für das Leben.“


Askese ist kein Selbstzweck.

Askese ist Vorbereitung.


Auf Verlust.

Auf Krise.

Auf das Unerwartete.


Wenn es kommt –

bist du bereit.


Weil du weißt:

„Ich kann auch ohne.“


Die Frage:

„Worauf verzichte ich heute freiwillig – um zu üben?“


Die Antwort:

Wähle etwas.

Verzichte darauf.

Lerne.


Nicht für immer.

Nur für heute.

Oder diese Woche.


Und dann frage dich:

„Bin ich wirklich frei?“

„Oder bin ich Sklave meiner Begierden?“


Musonius Rufus:

„Die Übung macht den Meister – auch in der Freiheit.“


Also:

Übe.

Jetzt.


© Mara & Elias – Stoische 66



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„Wir sollten uns von Zeit zu Zeit daran gewöhnen, uns mit billigstem Essen und einfachster Kleidung zu begnügen, um zu testen, ob wir wirklich frei sind oder Sklaven unserer Begierden.“ — Musonius Rufus


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