Frage 56 – Was habe ich heute gut gemacht – was würde ich anders machen?

🎯 Kurzkontext:

Wir hetzen durch den Tag. Wir reagieren. Wir funktionieren. Und abends? Fallen wir ins Bett. Keine Zeit. Keine Reflexion. Morgen wieder von vorn. Und wir lernen nichts.

Epiktet warnt: „Lass nicht den Schlaf über deine Augen kommen, bevor du nicht dreimal jede deiner Taten des Tages durchgegangen bist:

Wo bin ich fehlgegangen?

Was habe ich getan?

Was habe ich unterlassen, was ich hätte tun sollen?

Das ist die stoische Abendreflexion – eine der ältesten und kraftvollsten Selbstkultivierungspraktiken der Philosophie.

Die stoische Frage ist: „Was habe ich heute gut gemacht – was würde ich anders machen?“ – nicht um dich fertig zu machen, sondern um täglich zu lernen: Jeden Tag ein bisschen weiser. Jeden Tag ein bisschen bewusster. Jeden Tag ein Schritt näher zu dem Menschen, der du sein willst.


💬 Zitat:

„Lass nicht den Schlaf über deine Augen kommen, bevor du nicht dreimal jede deiner Taten des Tages durchgegangen bist: Wo bin ich fehlgegangen? Was habe ich getan? Was habe ich unterlassen, was ich hätte tun sollen?“ — Epiktet (nach Pythagoras)

🕒 10-Min-Übung („Heute gut – Heute lernen – Morgen besser“)

  1. Was habe ich heute gut gemacht? (3 Min): Welche Momente waren gut? (Wo warst du präsent? Wo hast du richtig gehandelt? Benenne 3 Dinge: „Heute gut: […]“)
  1. Wo bin ich fehlgegangen? (3 Min): Wo hast du reagiert statt agiert? (Wo warst du nicht die beste Version von dir? Sei ehrlich: „Fehlgegangen: […]“)
  1. Was würde ich morgen anders machen? (4 Min): Was lernst du daraus? (Wie handelst du morgen besser? Konkret: „Morgen anders: […]“)

🧭 Mini-Beispiele:

Tag, an dem ich genervt auf meinen Partner reagiert habe →

Was habe ich heute gut gemacht?:

„Heute gut: Ich bin morgens gelaufen, statt im Bett liegen zu bleiben. Ich habe ein schwieriges Arbeitsgespräch geführt, ohne auszuweichen. Ich habe meiner Freundin zugehört, als sie von ihrem Tag erzählte – wirklich zugehört, Handy weg.“

Wo bin ich fehlgegangen?:

„Fehlgegangen: Mein Partner hat mich nach einem langen Tag gefragt, ob ich den Müll rausgebracht habe. Ich hab genervt reagiert: ‚Kannst du das nicht mal selbst machen?‘ Das war unfair. Er hat mich nur dran erinnert. Ich war müde, gestresst – aber ich hab’s an ihm ausgelassen. Das war nicht okay.“

Was würde ich morgen anders machen?:

„Morgen anders: Wenn ich müde bin und genervt reagieren will – erstmal durchatmen. Zähle bis drei. Frage mich: ‚Ist das die Person, die ich sein will?‘ Und dann antworte ruhig. Oder sage ehrlich: ‚Ich bin gerade überfordert, können wir später reden?‘ Aber nicht anschnauzen.“

Epiktet: Lass nicht den Schlaf kommen, bevor du geprüft hast. Heute hast du geprüft. Morgen machst du es besser. Das ist Wachstum.


Tag, an dem ich eine wichtige Entscheidung aufgeschoben habe →

Was habe ich heute gut gemacht?:

„Heute gut: Ich habe ein schwieriges Email beantwortet, das ich seit Tagen aufgeschoben hatte. Ich habe Sport gemacht, obwohl ich keine Lust hatte. Ich habe meiner Kollegin geholfen, obwohl ich selbst viel zu tun hatte.“

Wo bin ich fehlgegangen?:

„Fehlgegangen: Ich sollte heute entscheiden, ob ich den neuen Job annehme oder nicht. Deadline ist morgen. Ich habe es wieder nicht gemacht. Ich habe mich abgelenkt – Netflix, Social Media, ‚Ich mach’s später.‘ Aber ’später‘ kam nicht. Ich bin vor der Entscheidung weggelaufen.“

Was würde ich morgen anders machen?:

„Morgen anders: Morgen früh, erste Sache nach dem Aufwachen – 30 Minuten nur für diese Entscheidung. Kein Handy. Nur Zettel und Stift. Pro und Contra. Was fühlt sich richtig an? Und dann: Entscheiden. Auch wenn’s schwer ist. Keine Ablenkung. Keine Flucht. Das ist meine Aufgabe.“

Epiktet: Was habe ich unterlassen? Ich habe die Entscheidung unterlassen. Morgen nicht mehr. Morgen tue ich, was ich tun sollte.


Tag, an dem ich zu viel gearbeitet und mich selbst vergessen habe →

Was habe ich heute gut gemacht?:

„Heute gut: Ich habe produktiv gearbeitet – viel geschafft. Ich habe einem Kunden wirklich geholfen. Ich habe pünktlich Feierabend gemacht (das schaffe ich selten).“

Wo bin ich fehlgegangen?:

„Fehlgegangen: Ich habe den ganzen Tag durchgearbeitet – keine Pause, kein Mittagessen, nur Kaffee. Ich habe meinen Körper ignoriert. Kopfschmerzen ab Mittag – hab ich ignoriert. Um 18 Uhr war ich fertig, ausgelaugt. Und dann: Ich war zu müde, um noch mit meiner Familie zu reden. Ich saß nur da. Das ist nicht nachhaltig.“

Was würde ich morgen anders machen?:

„Morgen anders: Alle 90 Minuten eine kurze Pause – 5 Minuten aufstehen, dehnen, Wasser trinken. Mittagspause – wirklich Pause, nicht am Schreibtisch. Und: Wenn Kopfschmerzen kommen – aufhören, rausgehen, 10 Min spazieren. Mein Körper sendet Signale. Ich höre zu. Das ist Selbstfürsorge.“

Epiktet: Was habe ich unterlassen? Ich habe die Pause unterlassen. Ich habe auf meinen Körper zu hören unterlassen. Morgen nicht mehr.


💡 Stoische Reflexion:

Epiktet sagt:

„Lass nicht den Schlaf über deine Augen kommen, bevor du nicht dreimal jede deiner Taten des Tages durchgegangen bist.“

Dreimal.

Nicht einmal.

Dreimal.

Das ist radikal.

Aber warum?


Das Problem:

Wir leben auf Autopilot.

Wir reagieren.

Wir wiederholen.

Wir lernen nicht.

„Heute war scheiße.“ – und morgen wieder.

„Ich bin halt so.“ – und bleibe so.

„Ich hab keine Zeit.“ – für Reflexion.

Und dann?

Wir ändern uns nie.


Die stoische Lösung:

Tägliche Selbstprüfung.

Jeden Abend.

Bevor du schläfst.

Prüfe:

  1. Wo bin ich fehlgegangen?
  2. Was habe ich getan?
  3. Was habe ich unterlassen?

Das sind die drei Fragen von Epiktet.

Und sie sind genial.


Warum drei Fragen?

Weil eine nicht reicht.

Frage 1: „Wo bin ich fehlgegangen?“
→ Das zeigt dir: Was lief schief?

Frage 2: „Was habe ich getan?“
→ Das zeigt dir: Was lief gut? (Epiktet meint hier: Was habe ich richtig gemacht?)

Frage 3: „Was habe ich unterlassen?“
→ Das zeigt dir: Was hätte ich tun sollen – aber nicht getan?

Zusammen:

Du siehst Fehler (Frage 1).
Du siehst Erfolge (Frage 2).
Du siehst Versäumnisse (Frage 3).

Das ist vollständig.


Ein Beispiel:

Du hattest einen stressigen Tag.

Frage 1: Wo bin ich fehlgegangen?
„Ich habe meinen Partner angeschnauzt.“

Frage 2: Was habe ich getan?
„Ich habe trotz Stress produktiv gearbeitet.“

Frage 3: Was habe ich unterlassen?
„Ich habe vergessen, eine Pause zu machen.“

Jetzt siehst du:

  • ✅ Fehler: Partner angeschnauzt (→ morgen ruhiger reagieren)
  • ✅ Erfolg: Produktiv gearbeitet (→ das war gut!)
  • ✅ Versäumnis: Keine Pause (→ morgen anders!)

Ohne alle drei Fragen:

Vielleicht siehst du nur den Fehler („Ich bin scheiße“) – oder nur den Erfolg („War doch okay“) – oder ignorierst das Versäumnis.

Mit allen drei:

Du siehst das volle Bild.


Seneca ergänzt:

Seneca beschreibt sein Abendritual so:

„Wenn das Licht entfernt ist und meine Frau schweigt, durchsuche ich meinen ganzen Tag und wiege meine Taten und Worte. Ich verheimliche nichts vor mir selbst, ich lasse nichts aus.“

Seneca macht es ähnlich wie Epiktet:

  1. Durchsuchen: Was ist passiert?
  2. Wiegen: War es gut oder schlecht?
  3. Nichts verheimlichen: Ehrlich sein!

Er sagt auch:

„Warum sollte ich irgendetwas fürchten von diesem täglichen Gericht über mich selbst?“

Das ist der Punkt:

Die Abendreflexion ist kein Selbst-Gericht, um dich fertig zu machen.

Sondern ein Selbst-Gespräch, um zu lernen.


Marcus Aurelius schreibt:

„Jeden Morgen sage dir: Heute werde ich Menschen begegnen, die aufdringlich, undankbar, gewalttätig, hinterlistig, neidisch und unsozial sind.“

Das ist Morgenreflexion – Vorbereitung.

Abends dann:

„Habe ich heute tugendhaft gehandelt? Habe ich dem Ganzen gedient?“

Marcus macht es kürzer:

Er fragt: „War ich heute ein guter Mensch?“

Das reicht.

Aber Epiktet’s drei Fragen sind konkreter.


💙 Wichtig:

Die Abendreflexion ist keine Selbstkritik-Orgie.

Du sollst dich nicht fertig machen.

Du sollst lernen.

Der Unterschied:

Selbstkritik sagt: „Ich bin schlecht.“
Reflexion sagt: „Das war nicht gut – was lerne ich?“

Selbstkritik ist destruktiv.
Reflexion ist konstruktiv.


Epiktet sagt:

„Wenn du fehlgehst, frage nicht: ‚Warum bin ich so dumm?‘ – Frage: ‚Was kann ich morgen besser machen?’“

Das ist Reflexion.

Nicht Selbsthass.

Sondern Wachstum.


Die stoische Praxis:

Jeden Abend, bevor du schläfst:

10 Minuten.

Mehr nicht.

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Schritt 1: Was habe ich heute gut gemacht?

Liste 3 Dinge.

Auch kleine Dinge zählen:

  • Ich war pünktlich.
  • Ich habe jemandem geholfen.
  • Ich habe Sport gemacht.
  • Ich habe ein schwieriges Gespräch geführt.

Warum?

Weil wir oft nur sehen, was schlecht lief.

Aber:

Jeden Tag gibt es auch Gutes.

Erkenne es an.


Schritt 2: Wo bin ich fehlgegangen?

Benenne 1-2 Momente.

Wo warst du nicht die beste Version von dir?

Nicht:

„Ich bin ein schlechter Mensch.“

Sondern:

„Ich habe in diesem Moment falsch reagiert.“

Sei konkret.

Sei ehrlich.

Aber sei nicht grausam zu dir.


Schritt 3: Was würde ich morgen anders machen?

Das ist der wichtigste Schritt.

Nicht nur erkennen.

Sondern lernen.

Formuliere konkret:

Nicht: „Ich sollte geduldiger sein.“
Sondern: „Wenn mein Partner mich nervt, atme ich dreimal tief durch, bevor ich antworte.“

Konkret.

Umsetzbar.

Morgen.


Beispiele:

Fehlgegangen: Ich habe zu viel Kaffee getrunken und war zittrig.
Morgen anders: Maximal 2 Tassen Kaffee, danach Tee oder Wasser.

Fehlgegangen: Ich habe meine Freundin nicht zurückgerufen, obwohl ich es versprochen habe.
Morgen anders: Morgen rufe ich sie an – erste Sache nach der Arbeit, 17 Uhr, Erinnerung im Handy.

Fehlgegangen: Ich habe bis Mitternacht Netflix geschaut, statt zu schlafen.
Morgen anders: Ab 22 Uhr kein Bildschirm mehr, Buch lesen, Reflexion/Journaling oder Meditation.

Konkret.

Morgen.

Besser.


Marcus Aurelius:

„Du bist gefallen? Steh auf. Fang neu an.“

Das ist der Geist der Abendreflexion:

Nicht:

„Ich bin ein Versager.“

Sondern:

„Heute bin ich gefallen. Morgen stehe ich auf.“

Jeden Tag.

Neu.


Die Frage:

„Was habe ich heute gut gemacht – was würde ich anders machen?“

Die Antwort:

Jeden Abend prüfen.

Jeden Tag lernen.

Jeden Tag wachsen.


Epiktet:

„Lass nicht den Schlaf über deine Augen kommen, bevor du nicht dreimal durchgegangen bist.“

Dreimal:

  1. Wo fehlgegangen?
  2. Was getan?
  3. Was unterlassen?

Dann:

Schlaf ruhig.

Weil du weißt:

Morgen machst du es besser.


© Mara & Elias – Stoische 66



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„Was du täglich übst, wird Teil von dir.“ — Seneca


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